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Lieblingsbuchhandlungen (4): Buchhandlung im Schanzenviertel

Foto: Jasmin R. / http://www.yelp.de/user_details?userid=uYxSOz7Qhb-c9LetkmM1xQ
Foto: Jasmin R. / http://www.yelp.de/user_details?userid=uYxSOz7Qhb-c9LetkmM1xQ

Buchhandlung im Schanzenviertel
Schulterblatt 55
20357 Hamburg
www.schanzenbuch.com

 

Was ist das Besondere an Eurer Buchhandlung? Was sind die Schwerpunkte im Sortiment? Seit wann gibt es die Buchhandlung & wie viele Leute arbeiten dort?

Die Buchhandlung im Schanzenviertel ist seit 1979 als Kollektiv organisiert. Das bedeutet: alle fest Angestellten sind auch Geschäftsführende Gesellschafter_innen mit gleichem Statuts innerhalb der GmbH. Bei uns gibt es also keinen Chef oder eine Chefin, sondern wir arbeiten mit einem egalitären Grundverständnis und versuchen Hierarchien flach zu halten. Hier im Schulterblatt, dem Laden für Literatur und Politik sind wir zu sechst, der Kinderbuchladen in der Schanzenstrasse ist mit vier Stellen besetzt.

Wir sind ein unabhängiger Laden, der also weder an einen Verlag oder an eine Buchhandelskette o.Ä. gebunden ist.

In unserem ebenso breiten wie tiefen Sortiment liegt unser Schwerpunkt auf der Politik und Literatur. In der Politikabteilung findet sich Ausgesuchtes zu Themen wie z.B. Soziale Bewegungen, Gesellschaftstheorie, Geschichte, Migration oder Neofaschismus/Neue Rechte etc. Aber auch in der Abteilung belletristische Literatur bemühen wir uns Bücher mit für uns relevanten gesellschaftlichen Themen zu präsentieren. Außerdem führen wir Reiseführer, Krimis, Kochbücher, Graphic Novels, Bücher zu Film, Fotografie und Theater und noch einiges mehr.

Wir unterstützen nach Möglichkeit kleine Verlage abseits der Konzerne, sowie unabhängige Verlagsauslieferungen wie die SOVA, Prolit, Alive oder die GVA.

Wir sind ein Stadtteilbuchladen mit Anbindung an verschiedenen Initiativen und politischen Gruppen, fungieren z.B. auch als Postfach oder Busfahrkartenverkaufsstelle zu Demonstrationen.

 

Wonach kaufen Kunden ein? - Spielt der Verlagsname bei der Kaufentscheidung eine Rolle? Oder der Autor? Das Cover?

Es gibt bei uns sehr verschiedene Kund_innen, mit sehr unterschiedlichem Lese- und Einkaufsverhalten. Die einen lassen sich gerne und intensiv beraten, andere finden stöbernd was sie brauchen und wieder andere haben bereits sehr genaue Vorstellungen, was sie haben möchten. Nicht selten bekommen wir positive Rückmeldungen zu der Besonderheit unserer Auswahl im Sortiment. Die Motivationen ein Buch bei uns zu kaufen, im Laden zu finden oder auch auf den nächsten Tag zu bestellen sind sicherlich vielfach und unterschiedlich. Glücklich sind wir, wenn Leute den Laden mit einem Buch verlassen, von dem sie vorher gar nicht wussten, dass sie es lesen wollen.

Das Cover spielt vor allem bei Neuerscheinungen eine Rolle: Es verbindet gehörte oder gesehene Informationen über ein Buch mit visuellen Eindrücken, ist somit bedeutender Bestandteil des Charakters eines Buches.

 

Wie viele Bücher aus dem Sortiment habt ihr selbst gelesen?

Von den über 5000 Titeln bei uns im Laden haben wir natürlich nur einen kleinen Teil selbst ganz gelesen. Jede_r von uns hat unterschiedliche Vorlieben und Spezialgebiete. Aber wir tauschen uns untereinander aus und ergänzen uns gegenseitig. Außerdem entscheiden wir bei fast allen Büchern kollektiv darüber, ob etwas eingekauft wird oder nicht. Grundlage dazu sind die Vorschauen der Verlage, Rezensionen, Leseexemplare und die Zusammenarbeit mit den Verlagsvertretungen.

 

Wie präsentiert ihr die Bücher? Habt ihr eine "Indie-Ecke", spezielle "Verlagstische", Themenschwerpunkte o.Ä.?

Die Neuerscheinungen der verschiedenen Abteilungen werden frontal oder auf dem Mitteltisch ausgestellt, so dass die Cover gut zur Geltung kommen. Aus aktuellen Anlässen richten wir im Laden aber auch themen- oder formatbezogene Büchertische oder Regale und gestalten regelmäßig unsere Schaufenster.

Eine „Indie-Ecke“ findet sich bei uns nicht. In Teilen bedienen wir den Independent-Begriff jedoch durch unsere oben bereits genannte Betriebsstruktur, durch unsere Auswahl und unser politisches Selbstverständnis. Wir sind ein unabhängiger Laden in dem Leser_innen Abseitiges, Subversives oder Seltenes genauso finden können wie Gutes aus dem Mainstream.

 

Gibt es bestimmte (Promo)-Aktionen, vielleicht in Kooperation mit Verlagen, die besonders gut funktioniert haben?

In unregelmäßigen Abständen veranstalten wir Lesungen oder organisieren Büchertische zu unterschiedlichen Veranstaltungen. Es gibt ein paar kleine Verlage, von denen wir fast das ganze Programm anbieten, oder als deren Depotbuchhandlung wir fungieren, wie z.B. für den mairisch Verlag.

Regelmäßig beteiligen wir uns auch an größeren Kampagnen, wie zum Beispiel an den „Lesetagen selbermachen – Vattenfall tschüss sagen“.

Auf eigentliche Promo- und Werbeaktionen, wie sie ja im Buchhandel oft vor allem von großen Verlagen durchgeführt werden, verzichten wir in der Regel. Eigentlich machen wir so gut wie keine Werbung.

 

Warum haltet ihr es für wichtig, dass Leser ihre Bücher in Buchhandlungen kaufen?

Wer in unabhängigen Buchhandlungen einkauft, unterstützt den lokalen Einzelhandel und hilft mit das Kulturgut Buch und den Buchmarkt mit seiner Vielfalt zu erhalten. Buchhandlungen wie die unsere haben ein ganz anderes Interesse und ganz andere Möglichkeiten auf die individuellen und regionalen Bedürfnisse der Kundschaft einzugehen, als das bei Buchhandelsketten der Fall ist oder beim Einkauf bei großen Internetanbietern. Buchhandlungen sind auch reale soziale Orte. Die Digitalisierung unserer Leben schreitet ohnehin mit unbehaglichem Tempo voran.

 

Wie geht ihr mit dem Thema E-Book um?

Erstaunlicherweise lassen sich die Anfragen aus den letzten zwei Jahren, ob wir denn auch E-Books verkaufen, an einer Hand abzählen. Bisher ist das auch nicht der Fall. Wir sind uns aber sicher, dass E-Books sich in irgendeiner Form durchsetzen werden und dass es da einen ständig wachsenden Markt geben wird. Die Vorteile des gedruckten Buches in unserer Alltagskultur sind zahlreich, die Vorteile von E-Books unterscheiden sich davon stark.

Wir haben erst angefangen, uns damit wirklich auseinanderzusetzen – werden aber möglicherweise in Zukunft auch E-Books anbieten. Interessiert beobachten wir die Entwicklung der Auswirkungen von E-Books auf den Buchmarkt und sind gespannt welche Rolle wir dabei spielen werden.

 

Habt ihr eine Empfehlung oder ein aktuelles Lieblingsbuch?

In der Flut der Neuerscheinungen und den Unmengen älterer Titel entdecken wir immer wieder neue Lieblingsbücher.

Gelesen haben wir in letzter Zeit folgende Bücher, die wir auch gerne empfehlen: Rainald Goetz - „Johann Holtrop“, John Lanchester - „Kapital“, Sarah Diehl - „Eskimo Lemon Neun“, Olga Grjasnowa - „Der Russe ist einer der Birken liebt“ und last but not least Michel Ragon - „Das Gedächtnis der Besiegten“.

 

 

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